Eine Geschichte darüber, warum es so wichtig ist, sich selbst und seinem Kind zu vertrauen
Es gibt Phasen im Elternsein, da verliert man sich leise.
Nicht, weil man sein Kind nicht liebt.
Sondern weil so viele Stimmen von außen anfangen, lauter zu werden als die eigene innere.
Diese Geschichte handelt von genau so einer Phase.
Von einem Kind, das früh viel wahrgenommen, viel gedacht und viel gefühlt hat.
Und von Eltern, die lange versucht haben, alles richtig zu machen –
bis sie irgendwann verstanden haben:
Nicht unser Kind musste sich verändern. Sondern der Rahmen.
Unser Kind war von Anfang an hellwach.
Schon als Kleinkind zeigte es auf alles, fragte pausenlos, wollte verstehen.
Noch bevor es richtig laufen konnte, wollte es wissen: Was ist das? Warum ist das so?
Wir trugen es durch die Welt und erklärten. Immer wieder.
Und irgendwann – es war gerade einmal eineinhalb Jahre alt – hatte ich das Gefühl,
dass ich ihm zu Hause nicht mehr gerecht werde.
Als der Anruf aus der Kita kam, entschieden wir uns, obwohl es ursprünglich nicht unser Plan war,
unser Kind dort anzumelden.
Nicht, weil wir „mehr“ wollten.
Sondern weil wir spürten: Seine Wissbegierde braucht Raum.
Wir hatten Glück.
Die Kita arbeitete projektorientiert, las viel, nahm Kinder ernst.
Unser Kind blühte auf.
In einem Entwicklungsgespräch legte die Erzieherin ein Sonnensystem aus.
Jeder Strahl stand für eine Stärke.
Am Ende sagte sie:
„Ich habe noch nie so viele Strahlen bei einem Kind ausgelegt.“
Eine andere Erzieherin meinte beiläufig, unser Kind sei nicht „normal“ –
und meinte das ausdrücklich positiv.
Damals war das für uns einfach unser Kind.
Wir sahen nichts Besonderes.
Wir sahen nur Normalität in unserer Welt.
Kurz vor dem Abschied aus der Kita sprach uns eine Erzieherin darauf an,
dass wir über eine Hochbegabungsdiagnostik nachdenken sollten.
Doch ehrlich gesagt:
Es ging nicht in Resonanz mit uns.
Nicht, weil wir es nicht ernst nahmen.
Sondern weil wir aus Familien kommen, in denen man lernt, sich nicht wichtig zu nehmen.
Nicht aufzufallen.
Nicht „besonders“ zu sein.
Wir wollten unser Kind schützen.
Vor Schubladen.
Vor Zuschreibungen.
Vor Erwartungen.
Also beschlossen wir:
Wir lassen das Thema ruhen.
Wenn es relevant wird, wird die Schule es schon aufgreifen.
Mit dem Wechsel in den Kindergarten änderte sich etwas.
Unser Kind kam weinerlich nach Hause.
Unausgeglichen. Emotional explosiv.
Jeden Tag sagte es:
„Da ist es nicht so schön.“
Personalmangel. Unzufriedenheit.
Wenig Raum für echte Begleitung.
Wir nahmen unser Kind heraus – weil wir spürten, dass es ihm nicht guttut –
und wechselten in einen Waldkindergarten.
Dort blühte es erneut auf.
Bewegung. Freiheit. Bezugspersonen, die sahen, was da war.
Es bekam Helferaufgaben, durfte erklären, denken, sein.
Die Empfehlung war klar:
Unser Kind sollte als Kann-Kind eingeschult werden,
damit es sich emotional nicht zurückentwickelt.
Wir suchten bewusst eine Schule, die damit warb,
individuelle Potenziale zu fördern.
Und dann kam die Einschulung.
Und mit ihr ein tiefer Einschnitt.
Unser Kind vermisste den Wald.
Die Bewegung.
Die Ruhe.
Es sagte:
„Es ist so laut. Ich kann die Lehrerin kaum verstehen.“
Die Rückmeldung der Schule war:
„Es ist hier nicht laut.“
Heute weiß ich: extreme Lärmempfindlichkeit.
Damals dachte ich: Wir müssen etwas besser machen.
Ich entwickelte Strategien zur Selbstregulation.
Versuchte zu helfen.
Doch unser Kind wurde häufig krank.
Das neue Umfeld war eine Überforderung.
Gleichzeitig hieß es:
Er sei „auffällig“.
Könne nicht still sitzen.
Bleibe nicht bei sich.
Ich begann, an uns zu zweifeln.
Über ein Jahr machten wir Reflexintegration.
Nicht, weil unser Kind nicht gut war.
Sondern weil wir glaubten, es müsse sich besser eingliedern.
Heute könnte ich weinen, wenn ich daran denke.
Nicht, weil wir etwas falsch gemacht haben –
sondern weil wir uns haben verunsichern lassen.
Als hochsensible Mutter eines hochsensiblen Kindes
schwang ich viel zu sehr im Feld der Schule.
In einem System ohne Hochbegabungsexpertise.
In der zweiten Klasse stabilisierte sich die Gesundheit.
Doch etwas anderes trat in den Vordergrund:
Dauermüdigkeit. Erschöpfung.
Die Rückmeldung:
„Ihr Kind kommt nur zum Schlafen in die Schule.“
Gleichzeitig durfte es keinen Stoff aus höheren Jahrgangsstufen mehr bearbeiten.
Langeweile zog ein.
Unser Kind sagte:
„Warum soll ich überhaupt in die Schule gehen? Das weiß ich doch alles schon.“
Wir entschieden uns für eine umfassende Diagnostik.
Ganzheitlich. Fundiert. Mit Menschen, die sich wirklich auskannten.
Das Ergebnis:
Hochbegabung. In einzelnen Bereichen Höchstbegabung.
Hohe Sensitivität – weit über das hinaus, was man landläufig darunter versteht.
Ein Kind, dessen Kopf nie stillsteht.
Und dessen emotionale Wahrnehmung extrem fein ist.
Die Praxis warnte uns eindringlich:
Unser Kind stehe kurz vor dem Underachievement.
Vor Schulverweigerung aus Unterforderung.
Wir wandten uns an die Schule.
Baten um Förderung.
Die Antwort:
„Ich habe so viele schwierige Kinder. Ich kann mich nicht auch noch um Ihres kümmern.“
Und später:
„Hochbegabung – damit bilden sich Eltern oft viel ein.“
Unser Kind solle froh sein, dass es leicht lernt.
Andere hätten echte Probleme.
Wir saßen zwischen einem Kind, das sagte:
„Ich brauche Herausforderungen.“
und einem System, das nicht reagieren wollte.
In der dritten und vierten Klasse spitzte sich alles zu.
Förderung gäbe es erst, wenn unser Kind „ordentlich schreibt“.
Die Diagnostik müsse man sich nicht ansehen.
Plötzlich ging es nur noch um Sozialverhalten.
Unser Kind sei unempathisch. Von oben herab.
Man fühle sich in seiner Nähe nicht wohl.
Unser Kind sagte:
„Die Lehrerin mag mich nicht.“
Eines Tages lag es schreiend auf dem Boden und sagte:
„Ich gehe da nicht mehr hin.“
Wir holten uns Rückhalt bei der Praxis.
Die klare Aussage:
„Nicht Ihr Kind ist das Problem. Sondern das System.“
Nach einem letzten, extrem intensiven Gespräch
ordnete die Schulleitung endlich Fördermaßnahmen an.
Kurz danach hatte ich einen Fahrradunfall.
Als würde sich all die Spannung entladen.
Und unser Kind?
Kam plötzlich fröhlich nach Hause.
Erzählte von Zusatzaufgaben.
Von neuen Freundschaften.
Und sagte eines Tages beiläufig:
„Ich habe kaum noch Ärger mit der Lehrerin.“
Was wir gelernt haben
Förderung verändert nicht nur Leistung.
Sie verändert Beziehungen.
Felder. Dynamiken. Selbstwahrnehmung.
Nicht das Kind war das Problem.
Es war die fehlende Passung.
An dich, wenn du noch mittendrin steckst
Wenn du zweifelst.
Wenn du merkst, dass dein Kind in der Schule anders ist als zu Hause.
Wenn du dich klein gemacht fühlst.
Dann möchte ich dir sagen:
👉 Du bist die Expertin für dein Kind.
👉 Deine Wahrnehmung ist wertvoll.
👉 Und du darfst dir die richtigen Menschen an die Seite holen.
Manche Wege liegen fernab der Norm.
Und genau dort brauchen sie Schutz, Vertrauen – und Mut.
Sanfte Einladung
Ich begleite Eltern, deren Kinder nicht in Schablonen passen.
Nicht, um sie anzupassen.
Sondern um ihnen Raum zu geben, sie selbst zu sein.
Still. Klar. Auf Augenhöhe.
Besonders berührt hat mich zuletzt die Begleitung eines elfjährigen Jungen,
der an einer eigentlich „passenden“ Schule zum Schulverweigerer wurde
und damit seine ganze Familie – emotional wie auch beruflich – an ihre Grenzen brachte.
Heute geht er wieder gerne in die Schule.
Und seine Eltern haben über die gemeinsame Arbeit nicht nur Entlastung gefunden,
sondern durch die Spiegelung ihrer Themen auch neue Klarheit für ihren eigenen Weg.
Ihr Feedback war, wie sehr sich die Qualität ihrer Beziehungen verändert hat
– und wie dankbar sie sind, diesen letzten Strohhalm ergriffen zu haben.
Wenn du merkst, dass diese Zeilen etwas in dir berühren
und du dir wünschst, deine Situation einmal in Ruhe sortieren zu dürfen,
dann findest du hier den Fragebogen für das kostenfreie Gespräch
sowie im Anschluss die Möglichkeit zur Terminbuchung:
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Du musst nichts vorbereiten.
Nur ehrlich hinschauen.

