Zwei hochbegabte Grundschüler, die stolz sind auf ihre Potentiale

„Angeberei“ bei hochbegabten Kindern – was wirklich dahintersteckt

Wie du dein hochbegabtes Kind stärkst – auch wenn die Schule seine Stärken nicht sieht

Kennst du das?
Dein Kind erzählt voller Begeisterung, was es entdeckt oder geschafft hat – und plötzlich bekommt es von Erwachsenen oder Mitschülern den Stempel „Angeber“.

Für viele hochbegabte Kinder ist das ein schmerzhaftes Erlebnis. Denn oft steckt hinter dem scheinbaren Prahlen kein Bedürfnis, andere klein zu machen, sondern ein tiefer Wunsch: gesehen und verstanden zu werden.


Warum hochbegabte Kinder manchmal „angeberisch“ wirken 

Was nach Prahlen klingt, ist häufig ein Schutzmechanismus oder Ausdruck innerer Not:

  • Suche nach Bestätigung: Kinder spüren sehr genau, wenn ihre Stärken übersehen werden. Dann wollen sie beweisen, was in ihnen steckt.

  • Selbstwert in Schieflage: Wenn der Fokus (z. B. durch Lehrkräfte) immer wieder auf Schwächen liegt, versuchen sie, das Bild von sich zu korrigieren.

  • Ungeduld & Begeisterung: Hochbegabte denken oft schneller, als sie sprechen. Ihre Freude platzt heraus – für Außenstehende klingt das manchmal, als wollten sie sich in den Vordergrund drängen.

  • Perfektionismus & Unsicherheit: Hinter dem scheinbaren „Prahlen“ steckt oft die Angst, nicht gut genug zu sein.

💡 Merksatz: „Angeberei“ ist bei hochbegabten Kindern oft ein Hilferuf nach fairer Wahrnehmung – kein Zeichen von Überheblichkeit.

Schule zwischen Stärken und Defiziten – warum Differenzierung so wichtig ist

Viele Schulen sind traditionell defizitorientiert aufgebaut:
Der Blick geht zuerst dorthin, „wo noch etwas fehlt“. Lob oder Förderung von Stärken steht nicht automatisch im Mittelpunkt.

Für durchschnittlich entwickelte Kinder kann das funktionieren – für hochbegabte Kinder ist es oft fatal.
Bleiben ihre besonderen Interessen und Fähigkeiten unsichtbar, entwickeln sie leicht:

  • das Gefühl, sie müssten ihre Erfolge laut zeigen, um überhaupt wahrgenommen zu werden, oder

  • das gegenteilige Muster: „Ich halte mich lieber klein, sonst denken alle, ich bilde mir was ein.“ → Nährboden für Imposter-Gefühle.

Was bedeutet „Differenzierung“?

„Differenzierung“ meint:
Kinder bekommen Aufgaben, Methoden und Begleitung, die zu ihrem Entwicklungsstand passen – nicht nur zu ihrem Alter oder zur Klassennorm.

Bei hochbegabten Kindern heißt das z. B.:

  • anspruchsvollere Aufgaben im gleichen Thema,

  • offene Forschungsfragen,

  • Projekte, bei denen sie eigene Ideen einbringen können,

  • manchmal auch ein schnelleres Lerntempo.

Fehlt diese Passung, müssen sich Kinder zwischen Langeweile und Überanpassung entscheiden – oder sie „schreien“ ihre Stärken hinaus.

Warum der Blick hinter das Verhalten so wichtig ist

Ein weiterer Stolperstein: Viele Lehrkräfte schauen bei auffälligem Verhalten vor allem auf die Oberfläche – also darauf, was das Kind tut.
Selten wird hinterfragt, woher das Verhalten kommt:
Ist es vielleicht ein Versuch, endlich gesehen zu werden?
Eine Schutzreaktion auf ständige Kritik?
Oder Ausdruck von Frust, weil die Aufgaben weder herausfordernd noch interessant sind?

Wenn der Blick nur auf das Symptom gerichtet ist, fehlt die Chance, den Ursprung zu erkennen – und damit auch, gemeinsam eine sinnvolle Veränderung einzuleiten.
Gerade hochbegabte Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Signale lesen lernen, statt nur auf Disziplin oder „Prahlen“ zu reagieren.

Wenn die Schule nicht bereit ist, den Blick zu weiten

Manchmal gelingt es trotz Gesprächen, Diagnostik oder Förderempfehlungen nicht, dass Lehrkräfte den Blick weg von den Defiziten und hin zu den Stärken lenken.
Für Eltern ist das frustrierend – und für Kinder kann es verletzend sein.

Du kannst trotzdem viel tun, um dein Kind zu unterstützen:

  • 🌱 Spiegeln, was du siehst:
    „Ich sehe, wie sehr du dich freust, wenn dir etwas gelingt – und dass es dich verletzt, wenn andere das nicht wahrnehmen.“

  • 🏠 Forscher- & Lerninseln zu Hause schaffen:
    Gib deinem Kind Raum für Projekte, Experimente, knifflige Aufgaben. Es darf spüren, dass seine Neugier wertvoll ist.

  • 💬 Gefühle besprechbar machen:
    „Es ist frustrierend, wenn immer nur deine Fehler gesehen werden.“ → Ernstnehmen entlastet.

  • 🧘 Selbstwert fernab von Leistung nähren:
    Unternehmungen ohne Bewertung – Natur, Sport, Kreatives – zeigen: Du bist liebenswert, egal was du kannst.

  • 🤝 Netzwerk suchen:
    Elterninitiativen, Fördervereine oder Stammtische helfen, sich weniger allein zu fühlen.

💡 Infobox: So kannst du Lehrkräften Differenzierung nahebringen 

Praktische Vorschläge für ein Gespräch mit der Lehrkraft:

  • Erzähle konkret von Situationen, in denen dein Kind „angeberisch“ wirkte, und erkläre, was du dahinter vermutest.

  • Bitte um offene Aufgaben oder Zusatzmaterial, das zum Denken anregt, statt nur Wiederholungen.

  • Sprich an, dass dein Kind Fehlerkultur lernen darf, aber auch Wertschätzung für seine besonderen Interessen braucht.

  • Ermutige die Lehrkraft, nach dem Ursprung von Verhalten zu fragen, nicht nur nach Disziplin.

  • Biete an, dich mit Material oder Ideen einzubringen – z. B. kleine Projekte, Expertenbesuche oder Literatur.

Oft reicht schon ein wertschätzendes Gespräch, um kleine Schritte Richtung Stärkenorientierung anzustoßen.

Worte, die stärken statt beschämen

Viele Kinder hören Sätze wie „Sei nicht so ein Angeber!“ – und ziehen sich dann zurück.
Hilfreicher ist Sprache, die die Absicht würdigt, aber einen guten Rahmen bietet:

„Du möchtest zeigen, was du gut kannst – das ist schön!
Manchmal fühlen sich andere dadurch klein, obwohl du das gar nicht willst.
Lass uns überlegen, wie du deine Freude so teilen kannst, dass alle mit dir feiern.“

So lernt dein Kind, seine Begeisterung zu teilen, ohne sich kleinmachen zu müssen – und ohne andere zu überrollen.

Fazit & Einladung

„Angeberei“ bei hochbegabten Kindern ist selten echte Überheblichkeit.
Meist zeigt sich darin ein sensibles Herz, das sich nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Sicherheit sehnt.

Und: Auch die Rahmenbedingungen spielen eine Rolle.
Wenn Schule vor allem auf Defizite schaut, statt Stärken durch Differenzierung zu fördern, fehlt Kindern der sichere Boden für ein gesundes Selbstbild.
Wenn Lehrkräfte darüber hinaus nicht nach dem Ursprung eines Verhaltens fragen, sondern nur auf das reagieren, was sichtbar ist, verstärkt das den inneren Druck.

Indem du deinem Kind zu Hause Rückhalt gibst, seine Interessen ernst nimmst und es ermutigst, seine Begabungen freudig (und respektvoll) zu teilen, hilfst du ihm, seinen Wert unabhängig von Noten und Urteilen zu spüren – selbst dann, wenn Schule (noch) nicht mitzieht.

💛 Dein Kind muss sich nicht verstecken, um angenommen zu werden – und auch nicht schreien, um gesehen zu werden.
Es darf wissen: Mein Wert ist unverrückbar.

Möchtest du dein hochsensibles, hochbegabtes Kind liebevoll begleiten – auch wenn Schule (noch) nicht versteht, was es braucht?

Buche dir gern ein unverbindliches Gespräch mit mir. Gemeinsam schauen wir, wie du dein Kind stärken kannst, ohne dass es sich kleiner machen oder lauter werden muss, um gesehen zu werden.

🕊️ Hier kannst du deinen Termin buchen.

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