Viele hochsensible – oft auch hochbegabte – Kinder wirken im Alltag erstaunlich angepasst.
Sie sind feinfühlig, sozial aufmerksam, rücksichtsvoll.
Und doch zeigen sie in bestimmten Momenten ein Verhalten, das Eltern tief verunsichert:
Sie ziehen sich zurück.
Sie geben schnell auf.
Sie fühlen sich benachteiligt.
Sie rutschen innerlich in einen Zustand von Ohnmacht.
Manchmal passiert das im Spiel mit anderen Kindern.
Manchmal in Konflikten.
Manchmal scheinbar „aus dem Nichts“.
Was von außen wie mangelnde Durchsetzungskraft aussieht,
hat jedoch eine viel tiefere Ursache.
In meiner Onlinepraxis begegnet mir dieses Muster immer wieder:
Ein Kind stößt an eine persönliche Grenze –
im sozialen Kontakt, im Vergleich, im Spiel –
und verliert in diesem Moment die Verbindung zu sich selbst.
Der Blick geht sofort nach außen:
Wer ist stärker?
Wer ist schneller?
Wer kann etwas besser?
Das Kind nimmt sehr genau wahr,
wo es vermeintlich „nicht mithalten“ kann.
Gleichzeitig verliert es den Kontakt zu dem,
was es selbst ausmacht.
Je stärker dieser innere Vergleich wird,
desto mehr rutscht das Kind in einen Zustand von Rückzug, Anpassung oder innerem Kleinwerden.
Der häufige Irrtum: „Mein Kind hat zu wenig Selbstbewusstsein“
Viele Eltern denken an diesem Punkt:
Mein Kind ist einfach nicht stark genug.
Es müsste selbstsicherer sein.
Es muss lernen, sich mehr durchzusetzen.
Doch bei hochsensiblen Kindern greift diese Erklärung zu kurz.
Diese Kinder sind nicht zu schwach.
Sie sind zu offen.
Sie nehmen Stimmungen, Erwartungen und Bewertungen
sehr viel intensiver wahr als andere Kinder.
Und genau das macht sie verletzlich,
wenn sie innerlich noch keinen stabilen Halt entwickelt haben.
In vielen hochsensiblen Kindern entsteht unbewusst ein innerer Glaubenssatz wie:
Ich bin nicht genug.
Andere sind besser als ich.
Ich habe kein Recht, Raum einzunehmen.
Das Kind beginnt, sich über den Vergleich zu definieren –
statt über die Verbindung zu sich selbst.
Dabei entsteht kein lauter Widerstand,
sondern ein stiller Rückzug.
Das Kind macht sich klein,
um dazuzugehören.
Der Wunsch hinter dem Kleinmachen
Wichtig zu verstehen:
Kein Kind entscheidet sich bewusst dafür, sich klein zu machen.
Hinter diesem Verhalten steht ein tiefer Wunsch:
Ich möchte dazugehören.
Ich möchte gemocht werden.
Ich möchte sicher sein im Kontakt mit anderen.
Um dieses Bedürfnis zu erfüllen,
übergehen viele hochsensible Kinder ihre eigenen Grenzen.
Sie passen sich an,
bis sie innerlich erschöpft sind.
Die wahren Ursachen – auf drei Ebenen betrachtet
1. Die sichtbare Ebene
Auf der sichtbaren Ebene orientiert sich das Kind stark an dem,
was im Außen erkennbar ist:
Leistung
Vergleich
Geschwindigkeit
Bewertung
Eigene Stärken werden kaum wahrgenommen
oder innerlich relativiert.
2. Die feine Wahrnehmungsebene
Hochsensible Kinder „scannen“ ihr Umfeld permanent.
Sie nehmen unausgesprochene Spannungen,
Stimmungen und Erwartungen auf –
auch dann, wenn diese gar nichts mit ihnen zu tun haben.
Vieles davon landet ungefiltert im eigenen System.
Und weil diese Wahrnehmungen oft nicht eingeordnet werden können,
entsteht innerer Stress.
3. Die unbewusste Ebene
Auf dieser Ebene verankert sich häufig ein stilles Gefühl von:
Ich bin falsch.
Ich störe.
Ich darf nur da sein, wenn ich mich anpasse.
Das Kind lernt,
sich selbst zurückzunehmen,
um Sicherheit im Außen zu bewahren.
Warum Verhaltenstipps hier nicht ausreichen
Viele gut gemeinte Ansätze setzen genau hier falsch an:
„Du musst stärker sein.“
„Du darfst dich nicht so vergleichen.“
„Glaub mehr an dich.“
Doch solange ein Kind innerlich nicht bei sich angekommen ist,
verpuffen solche Appelle.
Ein Kind kann sich nicht bewusst für Selbstvertrauen entscheiden,
wenn ihm die innere Sicherheit fehlt.
Wie Veränderung aussehen kann – ein Beispiel aus meiner Praxis
Ein Mädchen explodierte zu Hause fast täglich in heftigen Gefühlsausbrüchen.
Für die Eltern war das kaum noch auszuhalten und schwer einzuordnen.
Nach außen wirkte das Kind jedoch ganz anders:
fröhlich, angepasst, hilfsbereit, „lieb“.
In der gemeinsamen Begleitung wurde nach und nach deutlich,
dass das Mädchen einen inneren Glaubenssatz verinnerlicht hatte:
Ich werde nur gemocht, wenn ich gut drauf bin.
Wenn ich lächle.
Wenn ich keine unangenehmen Gefühle zeige.
Wut, Traurigkeit oder Überforderung hatten in ihrem inneren Erleben keinen Platz.
Diese Gefühle wurden unterdrückt –
und entluden sich schließlich dort, wo sie sich sicher fühlte: zu Hause.
Als das Kind Schritt für Schritt lernte,
dass alle Gefühle erlaubt sind
– auch die lauten, unbequemen, widersprüchlichen –,
veränderte sich ihr inneres Erleben grundlegend.
Die intensiven Ausbrüche verschwanden nicht,
weil sie sich zusammenriss oder „braver“ wurde,
sondern weil sie nicht mehr permanent gegen sich selbst arbeiten musste.
Gleichzeitig erlebten die Eltern einen wichtigen Perspektivwechsel:
Sie verstanden, dass das Verhalten ihres Kindes kein Problem war,
sondern ein Ausdruck innerer Überforderung.
Statt weiter zu regulieren, zu erklären oder zu beschwichtigen,
lernten sie, Raum zu halten,
Gefühle stehen zu lassen
und ihrem Kind zu signalisieren:
Du darfst so sein, wie du bist – mit allem, was gerade da ist.
Mit dieser inneren Veränderung im Familiensystem
kam auch beim Kind mehr Ruhe an.
Viele gut gemeinte Ansätze setzen genau hier falsch an:
„Du musst stärker sein.“
„Du darfst dich nicht so vergleichen.“
„Glaub mehr an dich.“
Doch solange ein Kind innerlich nicht bei sich angekommen ist,
verpuffen solche Appelle.
Ein Kind kann sich nicht bewusst für Selbstvertrauen entscheiden,
wenn ihm die innere Sicherheit fehlt.
Was Kinder wirklich brauchen
Nicht mehr Druck.
Nicht mehr Vergleich.
Nicht mehr Optimierung.
Sondern:
einen stabilen inneren Halt
die Erlaubnis, so zu sein, wie sie sind
Erwachsene, die selbst innerlich sicher sind
Denn Kinder orientieren sich nicht an Worten.
Sie orientieren sich an innerer Haltung.
Und genau hier beginnt der eigentliche Weg
Veränderung beginnt nicht beim Kind.
Sie beginnt im System, das es umgibt.
Wenn die Erwachsenen innerlich ruhiger werden,
wenn Sicherheit spürbar wird,
wenn Verbindung statt Bewertung entsteht,
dürfen Kinder sich entfalten –
ohne sich selbst zu verlieren.
Genau hier beginnt der gemeinsame Weg.
Nicht mit neuen Strategien.
Nicht mit noch mehr Wissen.
Sondern mit dem,
was vielen hochsensiblen Müttern lange gefehlt hat:
innere Sicherheit, Selbstverbindung und ein geschützter Raum,
in dem nichts erklärt oder zusammengehalten werden muss.
Wenn du spürst,
dass es jetzt um dich gehen darf
– und dass sich von dort aus auch für dein Kind etwas verändern darf –,
findest du hier den Rahmen für diese Begleitung.
👉 Zur 1:1-Begleitung für hochsensible Mütter
(Kind-Integration optional)

